„Ich habe Hein noch gesagt, dass er sein Boot nicht Titanic II nennen soll – damit hat er das Unglück natürlich herausgefordert. Ständig ging irgendwas schief; er lief auf Grund, die Elektronik hatte einen Kurzschluss, sein Bordradio wurde gestohlen… Irgendwann hatte er genug – und machte es noch schlimmer: Er wollte lustig sein und benannte sein Boot um – in Die Bösartige! Kurz danach stach er in See… und wir haben ihn nie wiedergesehen!“
Um Schiffs- und Bootsnamen ranken sich zahlreiche Legenden. Schon im alten Griechenland versah man Schiffe mit einem eigenen Namen. Schon damals hielt man sich an die noch heute gültige Konvention, dass der Name weiblich zu sein hatte oder zumindest mit weiblichem Pronomen genannt werden sollte. Und seit damals gibt es zahlreiche abergläubische Ansichten darüber, welche Namen Unglück heraufbeschwören. Falls du also einen Namen für dein neues Boot suchst, vermeide folgende Namen, die Unglück bringen sollen:
- Der Name deiner Partnerin
Ein häufiger Fehler. Hanna wird sich ja sooooo geschmeichelt fühlen, wenn du deine Jacht nach ihr benennst… Aber da gibt es gleich mehrere Risiken. Zunächst die offensichtlichen: Nicht jede Frau findet das wirklich so schmeichelhaft – insbesondere, wenn sie gegen das Boot war, könnte sie verärgert sein. Und was, wenn man sich trennt und neu orientiert? Lena ist vielleicht nicht so begeistert, wenn du deine ganze Freizeit mit der Hanna verbringst… Auch der Aberglaube rät ab: Das Boot könnte eifersüchtig sein und Ärger machen. Und wenn es tatsächlich sinken sollte, wird die Frau, nach der es benannt wurde, von nun an vom Pech verfolgt werden…
- Der Name eines Unglücksschiffes
Das ist wenig überraschend. Sicher ist dir schon aufgefallen, dass heutzutage kaum mal ein Boot mit dem Namen Titanic, Lusitania oder Wilhelm Gustloff unterwegs ist. Allerdings: Die Regel gilt nur für Namen, die ausschließlich mit einem schlimmen Unglück verbunden werden. Geht mal ein Schiff verloren, dessen Name auch von erfolgreicheren Schiffen getragen wurde, ist das Risiko, das man mit einer erneuten Wahl dieses Namens eingeht, zumindest geringer.
- Ein Name, der das Meer/die Meergötter herausfordert
Es gibt so Namen, denen man nachsagt, sie würden das Meer und/oder seine Götter dazu verleiten, es dir mal so richtig zeigen zu wollen – was natürlich nicht gut für dich ausgeht. Diese Namen fallen in drei Kategorien: Erstens pompöse, arrogante Namen – Unbesiegbar, Millionär, Herrscherin der Meere, Hurricane, natürlich Die Unsinkbare… Hier gilt übrigens für Kriegsschiffe eine kleine Ausnahme – sie dürfen kämpferisch pompöse Namen wie Dreadnought („Fürchte-nichts“) tragen. Auch einige Kreuzfahrtschiffe sind mit Namen wie Königin der See davongekommen. Probiere das aber nicht mit einer kleinen Jacht aus. Zweitens die Namen der Seegötter. Eine Poseidon oder Njörd ist eine schlechte Idee. Auch hier gilt eine Ausnahme für Kriegsschiffe. Und drittens ironische Namen wie Schiffbruch voraus!, Die Unsinkbare II und so weiter. Die fordern es nun wirklich heraus.
- Ein Name, der dem Boot negative Eigenschaften unterstellt
Die Bösartige, Nuckelpinne, Nervensäge, Groschengrab, Seelenverkäufer… Immer mal wieder versucht es jemand mit so einem „lustigen“ Namen. Aber es ist keine gute Idee, das Boot zu beleidigen, dem du auf See dein Leben anvertrauen willst…
Nun willst du vielleicht diesen Problemen ausweichen, indem du deinem Boot einfach gar keinen Namen gibst – aber Pech gehabt! Das bringt selbstverständlich auch Unglück!
Und wenn du ein gebrauchtes Boot mit ungünstigem Namen gekauft hast? Dann darfst du es umbenennen – unter Einhaltung zahlreicher Rituale. Jede Spur des alten Namens an Bord muss getilgt werden, die Reste von Namensplaketten etc. im Meer versenkt und mit dem Boot rückwärts darübergefahren werden. Danach sollte den Meergöttern ein schöner Schluck Alkohol geopfert werden. Ein Boot umbenennen, ohne dass der Besitzer wechselt, geht allerdings leider gar nicht!
Beachte ansonsten auch die Regeln, die deine Seefahrtsbehörde vorschreibt – in vielen Ländern gibt es eine erlaubte Höchstzahl an Buchstaben im Namen; oft ist es auch verboten, einem Boot einen Namen zu geben, der einem Notruf gleicht – also zum Beispiel Mayday oder – wegen Verwechslungsgefahr – Heyday. Selbst wenn beleidigende oder aus historischen Gründen verpönte Namen (ich denke, hier sind keine Beispiele nötig) nicht ausdrücklich verboten sind, solltest du davon absehen – du wirst dir damit im Hafen Ärger einhandeln.
Ach ja, und achte darauf, dass der Name zum Charakter deines Bootes passt – er soll ja nicht nur dir gefallen, sondern auch dem Boot selbst…