Mittwoch, 8. Januar 2025

Ganz weit draußen: Was sind die "Hochsee" und das "offene Meer"?

„Respekt, du Landratte! Deinen ersten Sturm auf See hast du gut überstanden. Aber du warst natürlich noch nah dran an der rettenden Küste. Auf dem offenen Meer ist das noch viel abenteuerlicher! Was ich auf hoher See schon alles erlebt habe…“

 

Dieser Artikel entspringt einer kleinen Recherche, die ich spontan zu einer plötzlich auftauchenden Frage angestellt habe und hier nun kurz teile.

Auslöser war ein Online-Artikel über die Meuterei gegen den Entdecker Henry Hudson im Juni 1611, die damit endete, dass Hudson und ein paar treue Crewmitglieder in einem Beiboot ausgesetzt wurden und seither verschollen sind. In diesem Artikel fand sich die Formulierung, Hudson sei „auf offenem Meer“ ausgesetzt worden, und ein Leser fragte in den Kommentaren, ob es denn auch „nicht offenes Meer“ gäbe.

Eine interessante Frage! Sind der Begriff „offenes Meer“ und die verwandte „hohe See“ einfach nur Redewendungen, die man grob als „weit draußen auf dem Meer“ zu verstehen hat? Oder sind sie klar definiert? Und so oder so: Was wären die Gegenteile, das „nicht offene Meer“, die „nicht hohe See“? Werfen wir mal einen kleinen Blick auf die Begrifflichkeiten!

 

Die hohe See – ein juristischer Begriff

Der Duden definiert den Begriff „Hochsee“ als „offenes Meer außerhalb der Küstengewässer“. Das mag richtig sein, löst aber unsere Frage nicht. Denn nun ist neben dem offenen Meer auch noch ein neuer Begriff zu klären, „Küstengewässer“.

Zum Glück gibt es zumindest für die Hochsee bzw. die Hohe See und ihr Gegenstück, das Küstenmeer, ziemlich klare Definitionen. Die sind auch wichtig, denn es geht um internationales Recht – um territoriale Ansprüche und Wirtschaftszonen.

Die Definitionen finden wir im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ) das 1982 erstellt wurde und 1994 in Kraft trat. Laut Teil VII, Abschnitt 1, Artikel 86 des Übereinkommens umfasst die hohe See „all (sic!) Teile des Meeres, die nicht zur ausschließlichen Wirtschaftszone, zum Küstenmeer oder zu den inneren Gewässern eines Staates oder zu den Archipelgewässern eines Archipelstaats gehören“.  Die Hochsee definiert sich also weniger daran, was sie ist, als viel mehr daran, was sie nicht ist. Hochsee ist das, was vom Meer übrigbleibt, wenn man folgende Gebiete abzieht:

-          Das Küstenmeer: Als Küstenmeer gelten nach dem SRÜ (Teil II, Abschnitt 1, Artikel 1) an die Küsten eines Staates angrenzende Meeresgebiete. Wie weit dieses Küstenmeer auf das Meer hinausreicht, entscheidet jeder Staat für sich selbst, wobei die seewärtige Außengrenze nach Abschnitt 2, Artikel 3 maximal 12 Seemeilen von der jeweiligen Basislinie[1] entfernt sein darf. Dieser Bereich gehört zum Staatsgebiet des jeweiligen Landes, Schiffe anderer Nationen besitzen allerdings ein friedliches Durchfahrrecht.

-          Die ausschließliche Wirtschaftszone: Im Prinzip eine Ausweitung des Küstenmeeres. In einem (erneut von dem jeweiligen Staat selbst festgelegten) Bereich von bis zu 200 Seemeilen seewärts der Basislinie seiner Küste kann der jeweilige Staat den alleinigen Zugriff auf die Rohstoffe des Meeres beanspruchen. Von dieser wirtschaftlichen Nutzung abgesehen hat der Staat allerdings keinerlei Hoheitsrechte in dem betroffenen Gebiet.

-          Die inneren Gewässer: Die Teile des Meeres, die landwärts der jeweiligen Basislinie liegen – Fjorde, Buchten, Meerbusen, aber auch das Meer zwischen vorgelagerten Inseln und dem Festland.

-          Archipelgewässer: Die inneren Gewässer eines sogenannten Archipelstaates, also einer Nation, die nur aus Inseln besteht – wie etwa Indonesien. Die Gewässer zwischen den Inseln können durchaus durch ihre Entfernung vom nächsten Landstück und ihre Tiefe Hochsee-Charakter haben, gelten aber als Staatsgebiet landwärts der Basislinie.

Die juristische Hochsee gilt als internationales Gewässer, das allen Nationen zur Nutzung freisteht. Daraus folgen zahlreiche spannende Regulierungen, denen nachzugehen hier aber zu weit führt – bei Interesse lohnt ein Blick in die online frei verfügbare SRÜ.

 

Das offene Meer – Eine ökologische Kategorie

Damit wäre die Hochsee geklärt. Aber was ist mit dem „offenen Meer“? Einfach nur ein anderer Begriff für „Hochsee“? Oder umgangssprachlich für „ganz weit draußen“?

Nein – auch „offenes Meer“ ist definiert, wenn auch weniger strikt als die Hochsee. In diesem Fall handelt es sich nicht um eine juristische, sondern um eine ökologische Definition, die nicht von allen Autoritäten völlig gleich getroffen wird. Einig ist man sich im Allgemeinen aber über zwei Dinge:

1.      Das offene Meer ist küstenfern, das sogenannte „Küstengewässer“ ist der Gegensatz dazu;

2.      Der Meeresgrund ist nicht Teil des offenen Meeres.

Es handelt sich beim offenen Meer also um eine freie Meeresfläche, die keinen Boden berührt. Dem US-amerikanischen National Park Service etwa reicht diese großzügige Definition. Eine geläufige strengere Definition sieht vor, dass das „offene Meer“ vom Land weitestgehend ungestört bleiben muss, also Landorganismen oder Nährstoffe keinen direkten Einfluss darauf nehmen.

2009 lieferte die EU auf eine Anfrage hin dann doch auch eine juristische Definition, die aber im Wesentlichen zu den ökologischen passt: Im Sinne von „Fischerei auf offener See“ ist „offene See“ demnach all das, was nicht von Land aus befischt werden kann…  

 

Und nun zurück zu Henry Hudson

Nachdem wir nun also beide Begriffe geklärt haben, lohnt ein kleiner Blick zurück zu Henry Hudson, dem britischen Entdecker, dessen Aussetzung in einem kleinen Ruderboot 1611 den Auftakt dieser Recherche bildete. Wurde Hudson nun, wie im Artikel behauptet, auf offenem Meer ausgesetzt? Oder gar auf hoher See? Eher nicht. Denn Hudson musste in der heute nach ihm benannten Hudson Bay von Bord gehen – die landwärts der kanadischen Basislinie liegt, demnach ein inneres Gewässer und keine Hochsee ist. Der genaue Ort ist nicht bekannt, aber vermutlich war es auch kein offenes Meer. Denn als die Meuterer später vor Gericht landeten, wurden sie vom Vorwurf des Mordes freigesprochen: Hudson und seine Getreuen waren so nah an bewohnten Inseln ausgesetzt wurden, dass man davon hätte ausgehen können, dass sie in der Lage wären, sich zu retten…

 

Fazit

Beide Begriffe – Hochsee und offenes Meer – sind keine vagen Angaben, sondern recht genau definiert. Dabei ist „Hochsee“ ein völkerrechtlich-juristischer Begriff und bezeichnet grob gesagt den Teil des Meeres, auf den keine Nation einen exklusiven Anspruch hat. Das „offene Meer“ dagegen ist ein ökologischer Begriff und bezeichnet den Teil des Meeres, der ökologisch vom Festland getrennt ist. Der Gegensatz zu ersterem ist vor allem das Küstenmeer, der zu letzterem das Küstengewässer. Man darf bei solchen sprachlichen Definitionen aber nie vergessen, dass geläufige Umgangssprache nie „falsch“ ist. Der Laie benutzt beide Begriffe eben doch gerne im Sinne von „ganz weit draußen auf dem Meer, wo man kein Land sieht“ – und da sich das so eingebürgert hat, ist es auch im weitesten Sinne korrekt.

 

Quellen:   https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Hudson; Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen ( https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:21998A0623(01) ); Parlamentarische Anfrage – P1480/2009 Definition des Begriffs „Offenes Meer“ (https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/P-6-2009-1480_DE.html ); https://www.gomeravive.com/de/wissen/meer-wissen/der-ozean/lebensraeume-im-meer/offenes-meer/



[1] Ein weiterer Begriff, der zu klären ist: Die Basislinie eines Küstenstaates entspricht der „Niedrigwasserlinie entlang der Küste, wie sie in den vom Küstenstaat amtlich anerkannten Seekarten großen Maßstabs eingetragen ist“, ist also im Prinzip eine Linie, die entlang der äußersten Landgrenzen zur See gezogen wird.

Samstag, 24. August 2024

Der Leuchtturm und der Flugzeugträger - Forderte tatsächlich ein Flugzeugträger einen Leuchtturm zum Beidrehen auf?

 „Die Amerikaner sind wirklich unglaublich arrogant! Die tun so, als ob das Meer ihnen gehöre, und dabei sind sie die reinsten Landratten! Da gab es diesen verrückten Vorfall von 1995… Ein amerikanischer Flugzeugträger hat einen Leuchtturm dazu aufgefordert, den Weg freizumachen! Unglaublich, oder? Aber die Funkprotokolle von damals kann man leicht im Internet finden, schau ruhig selber nach!“

Die Geschichte von der merkwürdigen Begegnung zwischen einem Flugzeugträger und einem Leuchtturm erfreut sich im Internet enormer Beliebtheit. Aber ist der schräge Dialog wirklich so echt, wie auf TikTok behauptet wird?

Die Geschichte wie wir sie kennen – mehr oder weniger

In aller Regel findet man die Geschichte im Internet etwa so erzählt (Übersetzung der Beispielversion auf der englischsprachigen Wikipedia von mir):

„Dies ist das Transkript des Funkverkehrs zwischen einem US-amerikanischen Marineschiff und kanadischen Behörden vor der Küste von Neufundland im Oktober 1995. Veröffentlicht vom Chief of Naval Operations 10.10.95.

Amerikaner: Bitte ändern Sie Ihren Kurs um 15 Grad Nord, um eine Kollision zu vermeiden.

Kanadier: Ich empfehle, dass Sie ihren Kurs um 15 Grad Süd ändern, um eine Kollision zu vermeiden!

Amerikaner: Hier spricht der Kapitän eines US-Marineschiffs. Ich wiederhole, ändern SIE Ihren Kurs!

Kanadier: Nein, ich wiederhole: Ändern SIE Ihren Kurs!

Amerikaner: Hier spricht der Flugzeugträger USS Lincoln, das zweitgrößte Schiff in der Atlantikflotte der Vereinigten Staaten. Wir werden begleitet von drei Zerstörern, drei Kreuzern und mehreren Begleitfahrzeugen. Ich verlange, dass SIE ihren Kurs um 15 Grad Nord ändern, das sind Eins-Fünf Grad Nord, oder wir werden Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Sicherheit dieses Schiffes zu gewährleisten!

Kanadier: Hier spricht ein Leuchtturm! Sie sind dran…“

Jaja, die selbstherrlichen Amerikaner… Lustig. Aber auch wahr?

Dem ein oder anderen Leser mag schon ein kleines Problemchen aufgefallen sein: Er hat die Geschichte ein bisschen anders gehört. Als ich sie zum ersten Mal las, war der Unterschied klein, aber dennoch bedeutend: Der Flugzeugträger identifizierte sich als USS George H. W. Bush. In anderen Versionen ist es die berühmte Enterprise. Oder auch die Coral Sea, die Nimitz oder die Missouri. Auch der Standort des Leuchtturms und damit die Nationalität seiner Besatzung ist flexibel: Mal steht er in den USA selbst, etwa vor der Küste von North Carolina, mal am spanischen Kap Finisterre. Oder auch vor Irland oder Schottland, in welchem Falle sich oft auch die Nationalität des Flugzeugträgers ändert: In der irisch-schottischen Version sind natürlich nicht die Amerikaner die Dummen, sondern die Engländer… Es mag auch noch das ein oder andere Detail hinzugefügt worden sein. Manchmal zählt der Leuchtturmwärter nämlich auch noch auf, von wem er „begleitet“ wird – etwa einem Hund, einem Kanarienvogel und einer Flasche Bier.

Dass es so viele widerstreitende Versionen gibt, ist bereits ein schlechtes Zeichen für den Wahrheitsgehalt. Wenn es wirklich eine wahre Version gäbe, ein originales Funkprotokoll des berühmten Gespräches – müssten die Erzählungen dann nicht viel einheitlicher sein? Aber das ist nicht das einzige Problem.

 

Eine fragwürdige Erzählung

Denn wenn man darüber nachdenkt, klingt die Geschichte nicht besonders glaubwürdig. Wie inkompetent müsste die Brückencrew des Flugzeugträgers sein, um einen Leuchtturm für ein Schiff zu halten? Schließlich sind Leuchttürme mit dem einzigen Zweck konzipiert, von weithin als Leuchttürme und damit als Warnsignale erkannt zu werden. Sie sind völlig anders beleuchtet als Schiffe – während ein Leuchtturm ein feststehendes weißes Licht aufweist, das in bestimmten Abständen blinkt, sind Schiffe mit grünen und roten Positionslichtern bestückt, die nicht blinken, sich dafür aber in der Regel mit dem Schiff bewegen. Da besteht selbst bei Nacht und/oder Nebel keine allzu große Verwechslungsgefahr. Ganz zu schweigen davon, dass Leuchttürme auf Radar und GPS, die 1995 sicher zum Einsatz kamen, natürlich eine spezielle Kennung haben. Und wo wollte der Flugzeugträger überhaupt hinfahren? Ein Leuchtturm befindet sich in aller Regel auf oder vor einer festen Landmasse. Oder hatten die Amerikaner die auch nicht erkannt?

Auch der Leuchtturmwärter verhält sich reichlich inkompetent – durch seine Vorbereitung der Pointe bringt er alle Beteiligten in Gefahr. Selbstverständlich hätte er sich sofort als Leuchtturm zu erkennen geben müssen, statt sich auf ein lustiges Streitgespräch einzulassen…

Die ganze Geschichte funktioniert also nur, wenn alle Darsteller völlig unfähig sind – kaum glaubwürdig.

Ein weiteres Problem ist zumindest in vielen Versionen die Identität des Schiffes. Manche der Flugzeugträger, die immer wieder genannt werden, waren 1995 gar nicht im Dienst. Die Coral Sea etwa wurde 1990 außer Dienst gestellt. Die George H. W. Bush hingegen nahm ihren Dienst erst 2006 auf (vermutlich schaffte sie es in „meine“ Version, weil der Name Bush seit der Präsidentschaft des jüngeren George Bush in Witzen schon fast gleichbedeutend mit amerikanischer Bräsigkeit ist…). Die Abraham Lincoln (nicht nur Lincoln!) war zwar zum passenden Zeitpunkt im Dienst, aber Teil der Pazifikflotte und so eher nicht vor Neufundland zu finden und keinesfalls das „zweitgrößte Schiff der Atlantikflotte“. Einen Flugzeugträger Missouri gibt es nicht, die USS Missouri war ein Schlachtschiff.

Und zu guter Letzt: Alle Leuchttürme in den USA und Kanada und auch der Leuchtturm am Kap Finisterre waren 1995 schon automatisiert, es gab also gar keinen Leuchtturmwärter, mit dem sich der Kapitän des Flugzeugträgers ein Wortgefecht hätte liefern können…

Der Ursprung der Legende

Aber vielleicht basiert die Geschichte ja doch auf einem wahren Ereignis und wurde nur durch ständiges Weitererzählen in den Details verfälscht?

Unwahrscheinlich. Denn keine der angeblich beteiligen Behörden weiß etwas von so einem Funkverkehr. Die US Navy hatte jahrelang sogar eine Seite auf ihrer offiziellen Website, auf der die Legende bestritten wurde. Der damals zuständige Chief of Naval Operations Jeremy Boorda bezeichnete sie als eine „totale Unfugs-Geschichte“. Na gut, vielleicht war es den Amerikanern peinlich? Aber auch die Kanadier und die Spanier wissen von nichts.

Und als die Faktencheck-Website Snopes.com der Sache nachging, stieß sie auf zahlreiche Versionen derselben Geschichte, die wesentlich früher erzählt worden waren als 1995 und oft alle Anzeichen eines alten Witzes aufwiesen. Die älteste nachgewiesene Version ist eine Karikatur aus der Londoner Zeitung The Humorist von 1931. In dieser lehnen zwei Männer an gegenüberliegenden Relings und kommunizieren per Flüstertüte: „Wohin willst du mit diesem blinkenden Schiff?“ – „Das ist kein Schiff, sondern ein Leuchtturm!“

Möglicherweise liegt hier also der Ursprung der Legende. Aber genauso ist es denkbar, dass der Karikaturist einfach einen noch viel älteren Witz illustrierte…

Die viel bessere Geschichte von der funkenden George H.W. Bush

Der berühmte Funkverkehr hat also mit großer Sicherheit niemals stattgefunden. Aber kein Grund zur Trauer: Eine viel bessere Geschichte ist absolut wahr. Sie hat zwar direkt wenig mit der Leuchtturm-Legende zu tun, ist aber zu schön, um sie bei so einer günstigen Gelegenheit nicht zu erzählen – zumal immerhin die USS George H.W. Bush eine Rolle spielt:

1962 traf der amerikanische Flugzeugträger USS Independence im Mittelmeer auf einen herrlichen Dreimaster unter vollen Segeln. Der Flugzeugträger forderte das Schiff per Lichtsignal auf, sich zu identifizieren, und der Segler gab sich als italienisches Segelschulschiff Amerigo Vespucci zu erkennen. Daraufhin signalisierte die Independence: „Du bist das schönste Schiff der Welt!“ Dieses Label blieb von nun an an der Vespucci hängen, die bis heute im Einsatz ist.

2022 kreuzte die Vespucci erneut den Weg eines amerikanischen Flugzeugträgers, der USS George H.W. Bush. Erneut wurde sie, diesmal per Funk, aufgefordert, sich zu identifizieren und gab sich als Amerigo Vespucci zu erkennen. Daraufhin fragte die Bush: „Die Amerigo Vespucci, die 1962 mit der Independence zusammengetroffen ist?“ Als die Italiener das bejahten, bekamen sie zur Antwort: „60 Jahre später bist du immer noch das schönste Schiff der Welt!“

Hach, Seefahrt kann so romantisch sein…

Fazit

Nein, auch die Amerikaner sind nicht so dumm und arrogant, dass sie einen Leuchtturm zum Beidrehen auffordern. Die legendäre Geschichte vom Streitgespräch zwischen Flugzeugträger und Leuchtturm, sie ist nur eine Wandersage, vermutlich basierend auf einem alten Witz.  

Samstag, 16. März 2024

Der Seeungeheuer-Angriff von Pensacola - Überlebte Edward Brian McCleary tatsächlich eine Seemonster-Attacke?

 

„Am 24. März 1962 brachen fünf Jungs aus Pensacola, Florida, zu einem Tauchausflug auf: Die 16-jährigen Edward Brian McCleary, Eric Ruyle und Warren Felley Jr. sowie der 17-jährige Larry Bill und der 14-jährige Bradford Rice. Sie wollten mit einem Schlauchboot zum Wrack der USS Massachusetts rudern, das rund zwei Meilen von der Küste entfernt in der Pensacola Bay auf einer Sandbank lag.

Doch während sie auf das Meer hinaus paddelten, zog ein Sturm auf. Die See wurde unruhig und die Jungs kamen kaum noch voran. Als sie bemerkten, dass die anderen Boote, die sie in der Entfernung beobachten konnten, alle landeinwärts hielten, wurden sie unruhig und entschieden, sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen. Aber nach wie vor kamen sie kaum voran. Als ein großes Boot in Sichtweite vorbeifuhr, gaben sie daher ein Notsignal, indem sie ein rotes Kleidungsstück an der Spitze ihrer Haiharpune befestigten und in Richtung des Bootes abfeuerten. Das Boot jedoch fuhr einfach weiter.

Daraufhin versuchten die Jungs, ihr Boot an einer nahen Boje festzumachen, um dort den Sturm abzuwarten. Doch eine heftige Strömung riss das Boot unter der Boje durch und schleuderte die Teenager ins Wasser. Mit Müh und Not schafften sie es, als das Boot auf der anderen Seite der Boje wieder auftauchte, wieder hineinzuklettern, doch nun riss die Strömung das Boot mit seinen Passagieren ins offene Meer hinaus.

Stundenlang trieben die fünf herum, völlig durchnässt, halb erfroren, orientierungslos. Schließlich ließ der Sturm nach, dafür kam Nebel auf. Während die Jungs sich ein paar Zigaretten teilten, nahmen sie plötzlich einen fischigen Geruch wahr und hörten ein lautes Platschen. In der Ferne konnten sie eine merkwürdige Silhouette ausmachen, ein Objekt, das wie ein Telegraphenmast aus dem Wasser ragte. Plötzlich bog sich das Objekt nach unten und tauchte ab. Kurz darauf hörten die Jungen einen hohen Schrei. Sie gerieten in Panik, zogen ihre Schwimmflossen an und sprangen ins Wasser.

Sie versuchten, dorthin zu schwimmen, wo sie das Wrack der Massachusetts vermuteten. McCleary, Bill und Ruyle blieben dabei zusammen, verloren aber praktisch sofort Felley und Rice aus den Augen. Es waren nur rund 30 Sekunden vergangen, als sie Felley schreien hörten: „Hilfe! Hilfe! Es hat Brad!“ Dann verstummte Felley und ward nie mehr gesehen.

Als nächstes verschwand Larry Bill. McCleary und Ruyle tauchten nach ihm, konnten ihn aber nicht finden. Also schwammen sie weiter in Richtung des Wracks, das sie mittlerweile sehen konnten. Sie hatten es fast erreicht, als das Wesen plötzlich neben Ruyle aus dem Meer auftauchte – ein langer, gerader Hals mit einem kleinen schildkrötenartigen Kopf, grüne ledrige Haut, eine große lange Rückenflosse… Das Ungeheuer fiel über Rice her und verschwand mit ihm in den Tiefen. McCleary geriet in Panik, schwamm am Wrack vorbei – und das nächste, woran er sich erinnern konnte, war, dass er am Strand von Pensacola aufwachte.

Später wurden das noch intakte Boot der Freunde und die Leiche von Brad Rice ebenfalls an den Strand gespült. Als Rices Todesursache wurde Ertrinken festgestellt; die anderen Freunde wurden nie gefunden. Die Zeitungsberichte über den Vorfall verschwiegen das Seeungeheuer, doch McCleary verfasste einige Monate später eine lange Nacherzählung für das Fate Magazine, der er auch eine Skizze des Ungeheuers beilegte.

Was also hatte McClearys Freunde getötet?“

Was ist von dieser, immer wieder als Fakt berichteten, Geschichte zu halten? Haben wir hier wirklich einen einmaligen Fall von einer tödlichen Attacke durch ein Seeungeheuer vorliegen? Oder gibt es eine ganz andere Erklärung für die Angelegenheit? Schauen wir uns das Ganze einmal näher an.

Die merkwürdige Geschichte von Cecil, der seekranken Seeschlange

Zwei Aspekte der Geschichte werden gerne weggelassen, wenn sie auf Mystery-Websites nacherzählt wird. Erstens, dass es heißt, die Untersuchung des Körpers von Bradford Rice habe Ertrinken als Todesursache festgestellt und keine auffälligen Verletzungen nachweisen können, die zum Angriff durch ein großes Raubtier gepasst hätten.

Zweitens, und noch merkwürdiger: Die Beschreibung des Seeungeheuers, die McCleary gab, entspricht im Detail einem damals bekannten Vorbild: Cecil, der seekranken Seeschlange aus der Zeichentrickserie Beany and Cecil. Das Cartoonungeheuer ist (laut Titelsong) zehn Fuß groß, es ist meist als gerade aus dem Wasser ragender Hals mit Kopf zu sehen. Cecil ist Grün, hat einen schildkrötenartigen Kopf mit ovalen Augen und eine auffällige „Rückenflosse“. Sogar Cecils lange Wimpern sind auf McClearys Skizze des Angreifers zu erkennen. Die Fernsehserie feierte ihr Debüt im Januar 1962…

Es wird behauptet – aber das gehört zu den vielen Details dieser Geschichte, die nur anekdotenhaft erzählt werden und nicht über saubere Quellen zu belegen sind – dass McCleary, auf die Ähnlichkeit angesprochen, bestätigte, dass es sich bei dem Ungeheuer um Cecil, die Seeschlange gehandelt habe – und andeutete, möglicherweise habe sich die Cartoonfigur auf geheimnisvolle Weise manifestiert, um seine Freunde zu töten.     

Ein Monster zur Traumabewältigung?

Wenn wir diese doch sehr weit hergeholte Theorie einmal beiseite schieben, müssen wir also davon ausgehen, dass es kein Seeungeheuer gegeben hat. Aber warum berichtete McCleary dann davon? Was ist wirklich geschehen?

Vielfach ist vorgeschlagen worden, bei der Seeungeheuer-Geschichte handele es sich um eine sogenannte „Schutzerinnerung“, eine falsche Erinnerung, die das Gehirn praktisch künstlich erzeugt, um eine traumatische Erfahrung zu verdrängen. McCleary habe das Ertrinken seiner Freunde als extrem traumatisch erlebt, und um seinen Verstand zu schützen, habe sein Gehirn ihm weisgemacht, sie seien von einem Ungeheuer gefressen worden.

Man fragt sich dabei natürlich, ob der Angriff eines Monsters nicht eine viel traumatischere und beängstigendere Erinnerung wäre als die an einen Bootsunfall...

Darüber hinaus hat diese These aber noch ein weiteres Problem: Sie basiert auf einer psychologischen Vorstellung, die von praktisch allen Experten abgelehnt wird. Es gibt nach all unserem Wissen keine „Schutzerinnerungen“, die traumatische Erfahrungen überdecken. 

„Die Auffassung, der Verstand schütze sich selbst, indem er traumatische Erinnerungen abtrennt und für das Bewusstsein unzugänglich macht, ist ein Stück psychiatrischer Folklore ohne jede überzeugende empirische Grundlage,“ sagt der Traumaforscher Richard McNally.

Eine falsche Erinnerung können wir also guten Gewissens ausschließen – eine solche Erklärung wäre mindestens ebenso fantastisch wie ein tatsächliches Seeungeheuer.

Wer hat Monster gespielt?

Wenn wir also voraussetzen, dass McCleary nicht gelogen hat, dann muss er tatsächlich etwas gesehen haben, das er für Cecil, die Seeschlange hielt. Was könnte das gewesen sein?

Bisweilen wird die Behauptung aufgestellt, McClearys Freunde seien von einem Weißen Hai gefressen worden. Aber ein Weißer Hai, der eine ganze Gruppe attackiert und mehrere Menschen in schneller Folge tötet, wäre wahrlich ungewöhnlich. Zudem gibt es zwischen McClearys Beschreibung des Angreifers und einem Weißen Hai praktisch keine Gemeinsamkeiten.

In McClearys Nacherzählung des Vorfalls vermutet einer seiner Freunde bei der ersten Sichtung des Wesens, es handele sich um einen Riemenfisch. Diese bis zu acht Meter langen schlangenartigen Fische kommen weltweit in den Ozeanen vor und werden oft als Erklärung für Seeschlangensichtungen herangezogen. Gegen diese Theorie spricht aber, dass es sich bei Riemenfischen um  Tiefseebewohner handelt, die nur sehr selten von Menschen gesichtet werden. Zudem besitzen sie einen auffälligen roten Kamm, der in McClearys Beschreibung fehlt.

Zudem wurde der Vorschlag ins Rennen geworfen, die Jugendlichen hätten das Periskop eines U-Bootes gesehen. Aber wo soll ein tauchendes U-Boot vor der Küste von Florida hergekommen sein?

Der wohl beste Kandidat für ein falsches Ungeheuer ist aber der sogenannte Atlantische Nordkaper. Dieser bis zu 18 Meter lange Wal hält sich in den Wintermonaten nachweislich im fraglichen Gebiet auf, ist aber so selten, dass auch Einheimische seinen Anblick nicht gewohnt sind. Der Nordkaper ernährt sich wie alle Bartenwale von Plankton, das er aus dem Wasser filtert. Dabei kann sein Maul auf eine Weise aus dem Wasser ragen, die frappierend an ein klassisches Seeungeheuer erinnert.

Ist das also des Rätsels Lösung? Gerieten die fünf Jungs durch schlechtes Wetter oder vielleicht auch eine unvorhergesehene Strömung in Seenot, sahen einen fressenden Wal, brachen in Panik aus, sprangen ins Wasser und ertranken? Nicht auszuschließen.

Aber all diese „Fehlsichtung“-Ansätze haben ein Problem: McCleary schildert definitiv ein grünes Seeungeheuer, und er behauptet, klare Sicht auf das Wesen gehabt zu haben. Wenn man seiner Schilderung Glauben schenkt, dann wäre kaum eine Verwechslung möglich. Was die Frage aufwirft: Kann man seiner Schilderung Glauben schenken?

Ein Seeungeheuer als Mordalibi?

Denn natürlich gibt es auch die Theorie, dass McCleary seine Freunde auf See ermordete und das Monster später als Alibi erfand. Vertreter dieser These weisen auf eine ganze Reihe von verdächtigen Aspekten der Geschichte hin.

Offenbar lügt McCleary in seiner Nacherzählung der Ereignisse mehrfach, nicht nur in Bezug auf den Angriff eines Seeungeheuers. So behauptet er, die Teenager seien in einen schrecklichen Sturm geraten, aber die amerikanischen Wetterarchive belegen, dass an diesem Tag in Pensacola gutes Wetter herrschte. Des Weiteren wird in McClearys Erzählung klar darauf hingewiesen, dass die Jugendlichen ihre Schwimmflossen anlegten, bevor sie ins Wasser gingen. Aber warum berichten die Zeitungsartikel über den Fall dann davon, dass, als das Schlauchboot geborgen werden konnte, alle Schwimmflossen sich an Bord befanden?

Auch die merkwürdige Episode, in der einer der Freunde die Harpune abfeuert, um die Aufmerksamkeit eines vorbeifahrenden Bootes zu erregen, klingt verdächtig – möglicherweise wurde sie eingefügt für den Fall, dass die Harpune gefunden und man feststellen würde, dass sie abgefeuert wurde? Daneben finden sich weitere Ungereimtheiten in McClearys Geschichte. Wo bekommen die völlig durchnässten Jungen, nachdem ihr Boot schon einmal unter Wasser gerissen wurde, plötzlich trockene Zigaretten her? Warum springen sie in ihrer Angst ins Wasser, wenn das Wesen, vor dem sie Angst haben, sich im Wasser befindet?

Und warum wurden zwar das Schlauchboot und eine Leiche an Land gespült, drei weitere Leichen blieben jedoch spurlos verschwunden? Hatte jemand dafür gesorgt, dass sie nicht auftauchen würden?

Das Gegenargument, das von Anhängern der Seeungeheuer-Theorie hier meist bemüht wird, ist, dass es kein Motiv gäbe – McCleary habe doch gar keinen Grund gehabt, seine Freunde zu töten!

Ein eher schwachbrüstiges Argument. Denn was weiß man schon über die Motive von Teenager-Jungs, die man nicht einmal persönlich kennt? Außerdem gab McCleary an, nach dem Vorfall Stimmen im Kopf zu hören – Schizophrenie tritt oft im Teenageralter erstmalig in Erscheinung und kann in Einzelfällen zu gewalttätigen Ausbrüchen führen; Morde im Zusammenhang mit Schizophrenie sind selten, aber schon vorgekommen.

Oder einfach nur ein Hoax?

Vielleicht gibt es aber auch eine ganz prosaische Erklärung für das rätselhafte Ereignis.

Als der Kryptozoologie-Autor Michael Newton der Sache für sein Buch Florida’s unexpected wildlife nachging, stellte er fest, dass es praktisch keine Informationen über die Ereignisse oder die beteiligten Personen gibt. Er konnte von den knappen Zeitungsberichten und einer späteren Beerdigungsanzeige für Brad Rice (von dem es heute auch eine passende Grabstätte gibt) abgesehen keine weiteren Berichte finden. Weder hatten die örtlichen Behörden Aufzeichnungen über eine Suchaktion vorliegen, noch ließen sich Angehörige der Opfer auftreiben. Die Existenz der drei vermeintlich verschollenen Freunde Larry Bill, Eric Ruyle und Warren Salley Jr. ist nicht nachweisbar; die drei haben zumindest niemals eine Sozialversicherungsnummer gehabt, und ein Brief an die unter der Hand kursierende angebliche Adresse von Larry Bills Stiefmutter blieb unbeantwortet.

Was soll man daraus machen? Ist möglicherweise im März 1962 nur ein Brad Rice ertrunken? Und benutzte Edward Brian McCleary diese tragische Geschichte, um darum ein Märchen zu spinnen und im (nicht besonders seriösen) Fate Magazine veröffentlicht zu werden?

Fazit: Die Geschichte über die Seeungeheuer-Attacke von Pensacola ist erstaunlich undurchschaubar. Eine ganz klare Antwort, was an diesem Märztag im Jahre 1962 geschah, kann ich hier nicht geben, und nach dem Tod der einzigen Person, die die Wahrheit vielleicht kannte, wird der Fall wohl niemals aufgeklärt werden. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass es Larry Bill, Eric Ruyle und Warren Salley Jr. nie gegeben hat, ebenso wenig wie den Seeungeheuer-Angriff. McCleary erfand wohl einfach eine aufregende Geschichte rund um den Tod von Brad Rice, in den er vielleicht verwickelt war, vielleicht aber auch nicht.

 

Weitere Quellen: Morbid Streak: My Escape from a Sea Monster: the wild tale of Edward Brian McCleary ; A Florida Teen Said A ‘Sea Monster’ Killed Four Of His Friends | Thought Catalog ; The craziest murder alibi...that someone actually got away with, and it happened in Florida! (beyondstupidity.blogspot.com)

Dienstag, 23. Januar 2024

Aberglaube: Wie soll ich mein Boot nennen?

 

„Ich habe Hein noch gesagt, dass er sein Boot nicht Titanic II nennen soll – damit hat er das Unglück natürlich herausgefordert. Ständig ging irgendwas schief; er lief auf Grund, die Elektronik hatte einen Kurzschluss, sein Bordradio wurde gestohlen… Irgendwann hatte er genug – und machte es noch schlimmer: Er wollte lustig sein und benannte sein Boot um – in Die Bösartige! Kurz danach stach er in See… und wir haben ihn nie wiedergesehen!“

 

Um Schiffs- und Bootsnamen ranken sich zahlreiche Legenden. Schon im alten Griechenland versah man Schiffe mit einem eigenen Namen. Schon damals hielt man sich an die noch heute gültige Konvention, dass der Name weiblich zu sein hatte oder zumindest mit weiblichem Pronomen genannt werden sollte. Und seit damals gibt es zahlreiche abergläubische Ansichten darüber, welche Namen Unglück heraufbeschwören. Falls du also einen Namen für dein neues Boot suchst, vermeide folgende Namen, die Unglück bringen sollen:

 

-          Der Name deiner Partnerin

Ein häufiger Fehler. Hanna wird sich ja sooooo geschmeichelt fühlen, wenn du deine Jacht nach ihr benennst… Aber da gibt es gleich mehrere Risiken. Zunächst die offensichtlichen: Nicht jede Frau findet das wirklich so schmeichelhaft – insbesondere, wenn sie gegen das Boot war, könnte sie verärgert sein. Und was, wenn man sich trennt und neu orientiert? Lena ist vielleicht nicht so begeistert, wenn du deine ganze Freizeit mit der Hanna verbringst… Auch der Aberglaube rät ab: Das Boot könnte eifersüchtig sein und Ärger machen. Und wenn es tatsächlich sinken sollte, wird die Frau, nach der es benannt wurde, von nun an vom Pech verfolgt werden…

-          Der Name eines Unglücksschiffes

Das ist wenig überraschend. Sicher ist dir schon aufgefallen, dass heutzutage kaum mal ein Boot mit dem Namen Titanic, Lusitania oder Wilhelm Gustloff unterwegs ist. Allerdings: Die Regel gilt nur für Namen, die ausschließlich mit einem schlimmen Unglück verbunden werden. Geht mal ein Schiff verloren, dessen Name auch von erfolgreicheren Schiffen getragen wurde, ist das Risiko, das man mit einer erneuten Wahl dieses Namens eingeht, zumindest geringer.

-          Ein Name, der das Meer/die Meergötter herausfordert

Es gibt so Namen, denen man nachsagt, sie würden das Meer und/oder seine Götter dazu verleiten, es dir mal so richtig zeigen zu wollen – was natürlich nicht gut für dich ausgeht. Diese Namen fallen in drei Kategorien: Erstens pompöse, arrogante Namen – Unbesiegbar, Millionär, Herrscherin der Meere, Hurricane, natürlich Die Unsinkbare… Hier gilt übrigens für Kriegsschiffe eine kleine Ausnahme – sie dürfen kämpferisch pompöse Namen wie Dreadnought („Fürchte-nichts“) tragen. Auch einige Kreuzfahrtschiffe sind mit Namen wie Königin der See davongekommen. Probiere das aber nicht mit einer kleinen Jacht aus. Zweitens die Namen der Seegötter. Eine Poseidon oder Njörd ist eine schlechte Idee. Auch hier gilt eine Ausnahme für Kriegsschiffe. Und drittens ironische Namen wie Schiffbruch voraus!, Die Unsinkbare II und so weiter. Die fordern es nun wirklich heraus.

 

-          Ein Name, der dem Boot negative Eigenschaften unterstellt

Die Bösartige, Nuckelpinne, Nervensäge, Groschengrab, Seelenverkäufer… Immer mal wieder versucht es jemand mit so einem „lustigen“ Namen. Aber es ist keine gute Idee, das Boot zu beleidigen, dem du auf See dein Leben anvertrauen willst…

 

Nun willst du vielleicht diesen Problemen ausweichen, indem du deinem Boot einfach gar keinen Namen gibst – aber Pech gehabt! Das bringt selbstverständlich auch Unglück!

Und wenn du ein gebrauchtes Boot mit ungünstigem Namen gekauft hast? Dann darfst du es umbenennen – unter Einhaltung zahlreicher Rituale. Jede Spur des alten Namens an Bord muss getilgt werden, die Reste von Namensplaketten etc. im Meer versenkt und mit dem Boot rückwärts darübergefahren werden. Danach sollte den Meergöttern ein schöner Schluck Alkohol geopfert werden. Ein Boot umbenennen, ohne dass der Besitzer wechselt, geht allerdings leider gar nicht!

Beachte ansonsten auch die Regeln, die deine Seefahrtsbehörde vorschreibt – in vielen Ländern gibt es eine erlaubte Höchstzahl an Buchstaben im Namen; oft ist es auch verboten, einem Boot einen Namen zu geben, der einem Notruf gleicht – also zum Beispiel Mayday oder – wegen Verwechslungsgefahr – Heyday. Selbst wenn beleidigende oder aus historischen Gründen verpönte Namen (ich denke, hier sind keine Beispiele nötig) nicht ausdrücklich verboten sind, solltest du davon absehen – du wirst dir damit im Hafen Ärger einhandeln.

Ach ja, und achte darauf, dass der Name zum Charakter deines Bootes passt – er soll ja nicht nur dir gefallen, sondern auch dem Boot selbst…

Ganz weit draußen: Was sind die "Hochsee" und das "offene Meer"?

„Respekt, du Landratte! Deinen ersten Sturm auf See hast du gut überstanden. Aber du warst natürlich noch nah dran an der rettenden Küste. A...